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KISchriftsätzeKanzlei

Schriftsätze mit KI entwerfen — 12 Typen im Überblick

Justitia Team·

Warum Schriftsätze der größte Zeitfresser in der Kanzlei sind

Schriftsätze sind das Handwerkszeug jedes Anwalts. Ob Klageschrift, Berufungsbegründung oder Abmahnung — jeder dieser Texte muss formal korrekt, inhaltlich präzise und juristisch überzeugend sein. Gleichzeitig sind Schriftsätze einer der größten Zeitfresser im Kanzleialltag.

Eine Studie des Deutschen Anwaltvereins aus 2025 zeigt: Durchschnittlich verbringt ein Rechtsanwalt 40 % seiner Arbeitszeit mit dem Verfassen und Überarbeiten von Schriftsätzen. Bei Einzelanwälten und kleinen Kanzleien liegt der Wert noch höher, weil keine Referendare oder wissenschaftliche Mitarbeiter zuarbeiten.

Das Problem ist nicht nur der Zeitaufwand. Es ist die Wiederholung. Wer zum zwanzigsten Mal eine Klageerwiderung im Mietrecht schreibt, formuliert dieselben Standardpassagen, zitiert dieselben Normen, baut denselben Aufbau. Die individuelle Anpassung macht vielleicht 30 % des Textes aus — die restlichen 70 % sind Routine.

Genau hier setzt ein KI-gestützter Schriftsatz-Generator an.

Die 12 Schriftsatztypen im Überblick

Nicht jeder Schriftsatz ist gleich aufgebaut. Justitia unterstützt derzeit 12 verschiedene Schriftsatztypen, die in der anwaltlichen Praxis am häufigsten vorkommen:

1. Klageschrift (§ 253 ZPO)

Die Klageschrift ist der zentrale Schriftsatz zur Einleitung eines Zivilprozesses. Sie muss gemäß § 253 Abs. 2 ZPO die Bezeichnung der Parteien, einen bestimmten Antrag und die Darstellung des Lebenssachverhalts enthalten. Justitia generiert den Aufbau mit Rubrum, Anträgen, Sachvortrag und Rechtsausführungen — der Anwalt ergänzt die individuellen Falldetails.

2. Klageerwiderung (§ 277 ZPO)

Die Klageerwiderung ist die Antwort des Beklagten auf die Klageschrift. Sie muss innerhalb der vom Gericht gesetzten Frist eingehen (§ 276 Abs. 1 ZPO). Typische Strukturelemente sind das Bestreiten einzelner Tatsachenbehauptungen, eigene Rechtsausführungen und gegebenenfalls eine Widerklage.

3. Widerspruch gegen Mahnbescheid (§ 694 ZPO)

Der Widerspruch gegen einen Mahnbescheid muss innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung beim Mahngericht eingehen. Formell genügt ein einfaches Schreiben — strategisch ist jedoch eine frühzeitige inhaltliche Stellungnahme sinnvoll, um die eigene Position im anschließenden streitigen Verfahren vorzubereiten.

4. Berufungsbegründung (§ 520 ZPO)

Die Berufungsbegründung ist einer der anspruchsvollsten Schriftsätze. Gemäß § 520 Abs. 3 ZPO muss sie die Berufungsanträge, die Bezeichnung der Umstände für die Rechtsverletzung und die Bezeichnung neuer Tatsachen enthalten. Die Frist beträgt zwei Monate ab Zustellung des Urteils (§ 520 Abs. 2 ZPO).

5. Revisionsbegründung (§ 551 ZPO)

Die Revision ist auf Rechtsfehler des Berufungsgerichts beschränkt. Die Begründung muss gemäß § 551 Abs. 3 ZPO die Revisionsgründe darlegen — entweder als Verfahrensrüge oder als Sachrüge. Justitia hilft beim Aufbau und liefert passende BGH-Rechtsprechung.

6. Mahnung (§ 286 BGB)

Die außergerichtliche Mahnung ist Voraussetzung für den Verzugseintritt nach § 286 Abs. 1 BGB. Sie muss eine bestimmte und eindeutige Leistungsaufforderung enthalten. Justitia generiert Mahnschreiben mit korrekter Fristsetzung, Zinsberechnung und Androhung weiterer Maßnahmen.

7. Abmahnung

Abmahnungen kommen in verschiedenen Rechtsgebieten vor — vom Wettbewerbsrecht (§ 13 UWG) über das Urheberrecht (§ 97a UrhG) bis zum Arbeitsrecht. Die KI berücksichtigt die jeweiligen Formvorschriften und generiert eine strafbewehrte Unterlassungserklärung als Anlage.

8. Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz (§§ 916 ff. ZPO)

Einstweilige Verfügung und Arrest setzen Eilbedürftigkeit voraus. Der Schriftsatz muss den Verfügungsanspruch und den Verfügungsgrund glaubhaft machen (§ 920 Abs. 2 ZPO). Justitia strukturiert den Antrag und weist auf typische Glaubhaftmachungsmittel hin.

9. Beschwerdeschrift (§ 567 ZPO)

Die sofortige Beschwerde ist gegen bestimmte Beschlüsse und Verfügungen statthaft. Die Frist beträgt in der Regel zwei Wochen (§ 569 Abs. 1 ZPO). Justitia prüft die Statthaftigkeit und erstellt den Schriftsatz mit den erforderlichen Begründungselementen.

10. Prozesskostenhilfeantrag (§ 114 ZPO)

PKH-Anträge erfordern eine Darstellung der Erfolgsaussichten und die Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Justitia generiert den Antrag und erinnert an die beizufügenden Unterlagen.

11. Strafanzeige / Strafantrag (§ 158 StPO)

Eine Strafanzeige erfordert die Schilderung des Sachverhalts mit Angabe der in Betracht kommenden Straftatbestände. Der Strafantrag (§ 77 StGB) muss innerhalb der Dreimonatsfrist des § 77b StGB gestellt werden.

12. Verfassungsbeschwerde (§ 90 BVerfGG)

Die Verfassungsbeschwerde ist die Königsdisziplin. Sie muss den Beschwerdegegenstand, das verletzte Grundrecht und die Erschöpfung des Rechtswegs darlegen. Die Monatsfrist des § 93 Abs. 1 BVerfGG ist streng zu beachten.

Aufbau eines juristischen Schriftsatzes

Unabhängig vom Typ folgen die meisten Schriftsätze einer einheitlichen Grundstruktur:

AbschnittInhaltHinweis
RubrumGericht, Aktenzeichen, Parteien, VertreterFormell korrekte Bezeichnung zwingend
AnträgeBestimmte Sachanträge, ggf. Hilfsanträge§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO
SachvortragDarstellung des LebenssachverhaltsSchlüssig und substantiiert
RechtsausführungenSubsumtion unter die einschlägigen NormenMit Rechtsprechungsnachweisen
BeweisangeboteZeugen, Urkunden, Sachverständige§ 371 ff. ZPO
KostenanträgeKostenantrag gemäß § 91 ZPOStandardmäßig enthalten
UnterschriftAnwaltliche UnterschriftBei beA: qualifizierte elektronische Signatur

Justitia befüllt diese Struktur automatisch und kennzeichnet die Stellen, an denen der Anwalt individuelle Eingaben machen muss.

Anwaltsethik bei der KI-Nutzung

Die Nutzung von KI-Tools zur Schriftsatzerstellung wirft berufsrechtliche Fragen auf. Das Berufsrecht der Rechtsanwälte — insbesondere die BRAO und die BORA — setzt klare Grenzen:

Eigenverantwortlichkeit (§ 1 BORA)

Der Rechtsanwalt bleibt für jeden Schriftsatz vollständig verantwortlich. Eine KI-generierte Vorlage ersetzt nicht die eigene rechtliche Prüfung. Wer einen KI-Entwurf ungeprüft einreicht, verletzt seine Berufspflichten.

Verschwiegenheitspflicht (§ 43a Abs. 2 BRAO)

Mandantendaten dürfen nur in datenschutzkonformen Systemen verarbeitet werden. Justitia verarbeitet alle Daten auf europäischen Servern und unterliegt der DSGVO. Generische KI-Chatbots ohne Datenschutzgarantien sind für die anwaltliche Nutzung ungeeignet.

Fortbildungspflicht (§ 43a Abs. 6 BRAO)

Die seit 2022 geltende Fortbildungspflicht umfasst auch die Kompetenz im Umgang mit digitalen Werkzeugen. Wer KI-Tools einsetzt, muss deren Funktionsweise, Stärken und Schwächen verstehen.

Qualitätskontrolle: Der 5-Punkte-Check

Jeder KI-generierte Schriftsatz muss vor der Einreichung einer systematischen Prüfung unterzogen werden. Wir empfehlen folgenden 5-Punkte-Check:

  1. Normenprüfung: Sind alle zitierten Paragraphen aktuell und korrekt? KI-Systeme können veraltete Fassungen zitieren.
  2. Rechtsprechungsprüfung: Existieren die genannten Urteile tatsächlich? Stimmen Aktenzeichen und Leitsätze?
  3. Fristenprüfung: Sind alle genannten Fristen korrekt berechnet? Wurde die Fristberechnung nach §§ 222 ZPO, 187 ff. BGB geprüft?
  4. Schlüssigkeitsprüfung: Ist der Sachvortrag schlüssig? Sind alle Anspruchsvoraussetzungen dargelegt?
  5. Formprüfung: Entspricht der Schriftsatz den Anforderungen der ERVV? Ist das Format beA-kompatibel?

Justitia Schriftsatz-Generator in der Praxis

Der Schriftsatz-Generator in Justitia funktioniert über den Chat. Sie beschreiben Ihren Fall, wählen den Schriftsatztyp und erhalten einen vollständigen Entwurf.

Beispiel-Prompt an Justitia: „Erstelle eine Klageschrift gegen die XY GmbH wegen einer unbezahlten Werkvertragsforderung in Höhe von 15.000 EUR. Das Werk wurde am 01.12.2025 abgenommen, die Rechnung am 05.12.2025 gestellt. Eine Mahnung mit Fristsetzung zum 05.01.2026 blieb erfolglos. Zuständig ist das LG Berlin."

Justitia erstellt daraus einen Entwurf mit Rubrum, Anträgen (Hauptforderung, Verzugszinsen ab 06.01.2026, vorgerichtliche Anwaltskosten), Sachvortrag, Rechtsausführungen (§§ 631, 640, 641 BGB) und Kostenantrag. Der Anwalt prüft, ergänzt Beweismittel und reicht ein.

Zeitersparnis in der Praxis

SchriftsatztypOhne KI (Durchschnitt)Mit JustitiaErsparnis
Klageschrift3–5 Stunden45–90 Minutenca. 60 %
Klageerwiderung4–6 Stunden60–120 Minutenca. 55 %
Berufungsbegründung6–10 Stunden2–4 Stundenca. 50 %
Abmahnung1–2 Stunden20–40 Minutenca. 65 %
PKH-Antrag1–2 Stunden30–45 Minutenca. 60 %

Die Zeitersparnis hängt von der Komplexität des Einzelfalls ab. Bei Standardfällen ist sie am größten, bei hochkomplexen Fällen dient der KI-Entwurf eher als Strukturierungshilfe.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich einen KI-generierten Schriftsatz direkt bei Gericht einreichen?

Nein. Jeder Schriftsatz muss vom Anwalt eigenverantwortlich geprüft und freigegeben werden. Die KI erstellt einen Entwurf — die juristische Verantwortung bleibt beim Anwalt (§ 1 BORA).

Welche Schriftsatztypen unterstützt Justitia?

Justitia unterstützt derzeit 12 Schriftsatztypen: Klageschrift, Klageerwiderung, Widerspruch gegen Mahnbescheid, Berufungsbegründung, Revisionsbegründung, Mahnung, Abmahnung, Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz, Beschwerdeschrift, PKH-Antrag, Strafanzeige/Strafantrag und Verfassungsbeschwerde.

Sind die generierten Schriftsätze beA-kompatibel?

Ja. Justitia erstellt Schriftsätze im PDF/A-Format, das den Anforderungen der Elektronischen Rechtsverkehrsverordnung (ERVV) entspricht und direkt über das beA eingereicht werden kann.

Wie geht Justitia mit Mandantendaten um?

Alle Daten werden auf DSGVO-konformen europäischen Servern verarbeitet. Es findet kein Training auf Mandantendaten statt. Die Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO wird gewahrt.

Was kostet der Schriftsatz-Generator?

Der Schriftsatz-Generator ist Bestandteil des Justitia-Abonnements. Es fallen keine zusätzlichen Kosten pro Schriftsatz an.

Kann die KI auch Schriftsätze für Verwaltungsgerichte erstellen?

Ja. Die Grundstruktur wird an die jeweilige Verfahrensordnung angepasst — ob ZPO, VwGO, FGO oder SGG. Die KI berücksichtigt die Besonderheiten der jeweiligen Gerichtsbarkeit.

Fazit

Schriftsätze mit KI zu entwerfen ist kein Zukunftsszenario — es ist Kanzleialltag 2026. Der Schlüssel liegt nicht darin, die KI blind arbeiten zu lassen, sondern sie als intelligenten Assistenten einzusetzen, der die Routinearbeit übernimmt. Die juristische Bewertung, die strategische Einordnung und die finale Freigabe bleiben beim Anwalt.

Justitia unterstützt Sie dabei mit einem Schriftsatz-Generator, der 12 Typen beherrscht, die aktuelle Rechtsprechung berücksichtigt und Entwürfe erstellt, die Sie nur noch prüfen und anpassen müssen. So gewinnen Sie Zeit für das, was wirklich zählt: die Beratung Ihrer Mandanten.

Testen Sie den Schriftsatz-Generator unter justitia.legal.

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